Tipps und Hinweise zur Probezeit in der Ausbildung

Probezeit

Welche Bedeutung hat die Probezeit?
Anders als bei normalen Arbeitsverträgen ist die Probezeit für den Ausbildungsvertrag im Berufsbildungsgesetz § 20 (BBiG) fest vorgeschrieben. Ohne die vereinbarte Probezeit wäre der Ausbildungsvertrag ungültig.

Im Berufsbildungsgesetz (BBiG)  ist eine mindestens ein- bis höchstens viermonatige Probezeit vorgeschrieben. Die konkrete Dauer wird im Ausbildungsvertrag gemeinsam vereinbart.

Das Ausbildungsverhältnis kann während der Probezeit von beiden Seiten ohne Begründung, jederzeit und fristlos in schriftlicher Form gekündigt werden.

Was sollte während der Probezeit beachtet werden?

  • Regelmäßige Gespräche während der gesamten Ausbildung bilden eine gute Basis für das gemeinsame Arbeiten im Betrieb. Unsicherheiten, Defizite oder zwischenmenschliche Probleme können durch Gespräche frühzeitig gelöst werden.
  • Der Ausbildungsstart bedeutet für viele Jugendliche eine starke Veränderung. Daher ist es wichtig, dass die Neuen anfangs viel Rückmeldung erhalten. Sie benötigen Bestätigung und Anerkennung, um sich in der neuen Umgebung zu orientieren.
  • Während der Probezeit überprüfen Ausbilder im Arbeitsalltag durch vielfältige Aufgaben, ob die neuen Azubis fachlich für den Beruf geeignet sind und menschlich in den Betrieb passen. Anhand der Ergebnisse beurteilen sie, ob der Einzelne das Ausbildungsziel erreichen kann.
  • Spätestens am Ende der Probezeit müssen Ausbilder entscheiden, ob der Auszubildende für den Beruf geeignet ist und sich in den Betrieb einfügen kann. Auch der Azubi nutzt die Probezeit, um zu entscheiden ob seine Berufswahl richtig war.

Kann die Probezeit über die vier vertraglich vereinbarten Monate hinaus verlängert werden?
Wenn die Probezeit um mehr als ein Drittel unterbrochen wurde, z.B. auf Grund einer Erkrankung, so kann sie ausnahmsweise um diesen Zeitraum verlängert werden. Da jede wesentliche Vertragsänderung der Lehrlingsrolle der Handwerkskammer zu melden ist, ist auch hier eine entsprechende Mitteilung erforderlich.

Ich möchte einen Lehrling im zweiten Lehrjahr von einem leider in die Insolvenz gegangenen Kollegen übernehmen. Kann ich eine Probezeit vereinbaren?
Ja, sofern ich einen neuen Lehrvertrag vereinbare oder den bestehenden mit neuer Regelung einer Probezeit übernehme. Die Probezeitdauer ist wie oben beschrieben anzugeben. Auch bei einem einvernehmlichen Wechsel des Ausbildungsbetriebes ist eine solche Regelung für den neuen Ausbildungsbetrieb zu empfehlen.

Wird ein vorhergehendes Praktikum auf die Probezeit angerechent?
Ein vor Beginn der Ausbildungszeit absolvierte Praktikum wird  nach dem Utreil des BAG (Aktenzeichen 6AZR 8444 vom 19. November 2015) nicht auf die Probezeit angerechnet. 

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