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Artikel vom 14.09.2018 | zurück zur Übersicht

Mindestausbildungsvergütung – viele Fragen offen

Für Dr. Hoffschroer sind noch zu viele Fragen zur Wirkung einer Mindestausbildungsvergütung offen.

Foto: Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, Raissa Wischnewski
Für Dr. Hoffschroer sind noch zu viele Fragen zur Wirkung einer Mindestausbildungsvergütung offen.

Foto: Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, Raissa Wischnewski

Die Bundesregierung hat die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung (MAV) im Koalitionsvertrag festgeschrieben, ohne sich auf eine Höhe festzulegen. Forderungen einer Mindestausbildungsvergütung von 500 bis 650 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr werden aktuell ernsthaft diskutiert. Teile der Oldenburger Junge Union fordern nun auf ihrem Landestag in Thüle, die Mindestausbildungsvergütung auf 600 Euro festzulegen.

Von einer solchen Mindestausbildungsvergütung wären nach Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) insbesondere kleinere Betriebe betroffen. Nach der Studie müssten betroffene Betriebe je nach Höhe der Mindestausbildungsvergütung mit einem durchschnittlichen Kostenanstieg von etwa 1.200 bis 1.500 Euro pro Auszubildenden und Ausbildungsjahr rechnen.

„Angesichts der zunehmenden Probleme bei der Besetzung der Ausbildungsplätze mit motivierten, leistungsbereiten Auszubildenden wird eine Mindestausbildungsvergütung hoffentlich dazu beitragen, dass wieder mehr junge Menschen sich für eine duale Ausbildung entscheiden“ erklärt Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg.

Die fehlende Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Berufen mit sehr hohen Ausbildungsvergütungen, zum Beispiel im Bauhandwerk, oder der Trend zum unbezahlten Studium begründen für ihn aber eine gewisse Skepsis, ob diese Wirkung tatsächlich eintreten werde. Hingegen sei zu befürchten, dass bei Einführung einer Mindestausbildungsvergütung gerade kleinere Betriebe sich noch stärker aus der dualen Ausbildung zurückziehen, da sie die erhöhten Kosten nicht auf ihre Kunden umlegen können.

Darüber hinaus sei aufgrund der Erfahrungen bei der Einführung des Mindestlohns zu befürchten, dass die negativen Folgen der zusätzlichen Bürokratiebelastungen die Kostenbelastung um ein Vielfaches übersteigen, so Dr. Hoffschroer.

Vor diesem Hintergrund schließe sich das Cloppenburger Handwerk dem Fazit des BIBB-Reports an, angesichts möglicher negativer Konsequenzen für den Ausbildungsmarkt zunächst weitere empirische Analysen vorzuschalten, um die Entscheidungen des „Ob“ und „Wie hoch“ einer MAV auf Basis gesicherter Erkenntnisse zu potenziellen Wirkungsmechanismen treffen zu können.