Prüfungen

Gesellen- bzw. Abschlussprüfung

Die handwerkliche Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, in der die berufliche Handlungsfähigkeit der Lehrlinge und damit der Erfolg der Ausbildung durch eine unabhängige Prüfungskommission festgestellt wird. Die Gesellenprüfungen werden von den Handwerkskammern oder von beauftragten Innungen durchgeführt.

Was man über die Prüfung wissen sollte

Die Innungen im Bezirk der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg führen im Auftrag der Handwerkskammer Oldenburg Zwischen-, Gesellen- und Abschlussprüfungen in vielen handwerklichen und einigen nicht handwerklichen, insbesondere kaufmännischen Ausbildungsberufen im Lebensmittelhandwerk durch. Insgesamt werden im Kreishandwerkerschaftsbezirk jährlich über 500 Gesellenprüfungen und eben so viele Zwischenprüfungen abgenommen.

Die wichtigsten Regelungen des Prüfungswesens haben wir im Folgenden kurz für Sie zusammengestellt.

Vorschriften über die Gesellen-/Abschlussprüfung

Die Prüfungsinhalte sind in der jeweiligen Ausbildungsverordnung verbindlich geregelt. Die allgemeinen Vorschriften über die Durchführung der Prüfung finden sich in der Prüfungsordnung für die Durchführung von Gesellen- und Umschulungsprüfungen bzw. Prüfungsordnung für die Durchführung von Abschluss- und Umschulungsprüfungen (kurz: GPO = Gesellenprüfungsordnung) der Handwerkskammer.

Jede Handwerkskammer hat eine Prüfungsordnung zu erlassen. In dieser Verordnung werden z.B. die Bestimmungen der Prüfungszulassung, Bewertungsmaßstäbe, die Folge von Verstößen gegen die Prüfungsordnung und Regelungen zu Wiederholungsprüfungen festgelegt.

Die Download-Links für die Prüfungsordnungen der Handwerkskammer Oldenburg befinden sich in der rechten Spalte.

Anmeldung zur Püfung

Zwischenprüfung

Eine Anmeldung zur Zwischenprüfung ist nicht erforderlich.

 

Gesellen- bzw. Abschlussprüfung

Der Antrag auf Zulassung zur Prüfung ist durch die Lehrlinge (Auszubildenden) schriftlich nach den von der Handwerkskammer bestimmten Fristen und Formularen zu stellen. Die Lehrlinge (Auszubildenden) haben die Ausbildenden über die Antragstellung zu unterrichten (§ 12 GPO).

Der Anmeldung (Antrag auf Zulassung zur Prüfung) sind mindestens beizufügen:

  • Kopie des Berufsausbildungsvertrages
  • vorgeschriebene schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtshefte)
  • Kopie der Berufsschulzeugnisse
  • Kopie der Bescheinigung über die Teilnahme an vorgeschriebenen Zwischenprüfungen

Die Anmeldefrist endet

  • für die Winterprüfung jeweils am 15. Oktober
  • für die Sommerprüfung jeweils am 31. März

In der Regel erhalten die Lehrlinge, die zur Prüfung anstehen, rechtzeitig vorher eine entsprechende Anmeldeaufforderung mit Anmeldeformular über ihren Ausbildungsbetrieb. Der Betrieb hat diese Unterlagen entsprechend weiterzugeben. 

Anmeldung zur Püfung bei zwei zeitlich auseinanderfallenden Prüfungsteilen (Gestreckte Prüfung)

Gesellen- bzw. Abschlussprüfung Teil 1 und Teil 2

Bei Ausbildungsberufen mit gestreckter Gesellen- bzw. Abschlussprüfung ist sowohl für Teil 1 als auch für Teil 2 eine Anmeldung zur Prüfung erforderlich.

Der Antrag auf Zulassung zur Prüfung ist durch die Lehrlinge (Auszubildenden) schriftlich nach den von der Handwerkskammer bestimmten Fristen und Formularen zu stellen. Die Lehrlinge (Auszubildenden) haben die Ausbildenden über die Antragstellung zu unterrichten (§ 12 GPO).

Der Anmeldung (Antrag auf Zulassung zur Prüfung) sind mindestens beizufügen:

  • Kopie des Berufsausbildungsvertrages
  • vorgeschriebene schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtshefte)
  • Kopie der Berufsschulzeugnisse
  • zusätzlich nur bei Teil 2: Kopie der Bescheinigung über die Teilnahme am ersten Teil der Gesellen- bzw. Abschlussprüfung

Die Anmeldefrist endet

  • für die Winterprüfung jeweils am 15. Oktober
  • für die Sommerprüfung jeweils am 31. März

In der Regel erhalten die Lehrlinge, die zur Prüfung anstehen, rechtzeitig vorher eine entsprechende Anmeldeaufforderung mit Anmeldeformular über ihren Ausbildungsbetrieb. Der Betrieb hat diese Unterlagen entsprechend weiterzugeben. 

Fehlzeiten in der Ausbildung

Angaben auf der Anmeldung zur Prüfung

Auf der Anmeldung zur Prüfung sind auch die Fehlzeiten, die während der Ausbildung entstanden sind, anzugeben und zwar unterteilt nach Fehltagen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule (Urlaubstage sind nicht anzugeben).

Was fällt unter Fehlzeiten?

  • entschuldigte und unentschuldigte Fehltage und Krankheitstage (Unfall, jegliche Art von Krankheitstagen etc.)
  • Elternzeit und Beschäftigungsverbot (Mutterschutz wir nicht als Fehlzeit berechnet.)

Bei Fehlzeiten (Betrieb und Berufsschule) von mehr als 10 Prozent der Ausbildungszeit sind folgende Unterlagen mit der Anmeldung zur Prüfung einzureichen:

  • Stellungnahme des aktuellen Ausbildungsbetriebes, möglichst mit folgendem Inhalt:
    • Genaue Auflistung der Fehlzeiten mit Angabe des Grundes;
    • Maßnahmen die ergriffen wurden, um die Ausbildungsdefizite, die durch die Fehlzeiten entstanden sind, auszugleichen;
    • Einschätzung, ob der Lehrling aus betrieblicher Sicht die Prüfung erfolgreich absolvieren würde;
  • Ggf. Bescheinigungen über vorherige berufliche Tätigkeiten und Ausbildungen.

Vorzeitige Zulassung zur Prüfung

Gem. § 37 HwO kann der Lehrling (Auszubildende) bereits 6 Monate vor seinem regulären Prüfungstermin zur Prüfung zugelassen werden, wenn seine Leistungen dies rechtfertigen. Das ist der Fall, wenn er im Betrieb und in den Berufsschulfächern des berufsbezogenen Bereichs jeweils im Durchschnitt mindestens gute Leistungen (besser als 2,5) nachweist. Die vorzeitige Zulassung zur Prüfung muss bei der die Prüfung durchführende Stelle (Handwerkskammer bzw. Innung) unter Vorlage einer Beurteilung des Betriebes, des letzten Berufsschulzeugnisses sowie den üblichen Anmeldeunterlagen (s. o.) beantragt werden.

Mit Bestehen der vorzeitigen Prüfung endet das Berufsausbildungsverhältnis.

Prüfungskosten

Die Prüfungen sind für den Lehrling (Auszubildenden) kostenfrei (§ 31 Abs. 3 HwO). Die Prüfungskosten werden dem Ausbildungsbetrieb durch Gebührenbescheid auferlegt.

Die ggf. anfallenden Fahrt- und Übernachtungskosten zum Prüfungsort muss der Ausbildungsbetrieb nicht zahlen.

Zurverfügungstellen von Werkzeug und Material für die Prüfung

Soweit Werkzeuge und Werkstoffe nicht für die Prüfung von der zuständigen Stelle (Handwerkskammer bzw. Innung) zur Verfügung gestellt werden, muss der Ausbildungsbetrieb diese dem Lehrling (Auszubildenden) kostenlos zur Verfügung stellen, soweit sie zum Ablegen von Zwischen- und Gesellen-/Abschlussprüfungen erforderlich sind, auch wenn die Prüfung erst nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses stattfindet (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 BBiG).

Freistellung für Prüfungsteilnahme

Der Ausbildungsbetrieb muss den Lehrling (Auszubildenden) für die Teilnahme an der Zwischen- und Gesellen-/Abschlussprüfung freistellen (§ 15 BBiG). Die Zeit der Freistellung umfasst auch Wegzeiten und Pausen.

Jugendliche Auszubildende unter 18 Jahren müssen zusätzlich auch für den Arbeitstag freigestellt werden, der der schriftlichen Gesellen-/Abschlussprüfung unmittelbar vorausgeht (§ 10 JArbSchG). Findet die schriftliche Prüfung an mehreren Tagen statt, ist nur der Arbeitstag unmittelbar vor dem ersten Prüfungstermin freizustellen.

Beispiel:
Die Prüfung findet am Dienstag statt. Der Jugendliche ist also am Montag und Dienstag freizustellen.
Ist die Prüfung dagegen am Montag, so ist nur am Montag freizustellen, da der Arbeitstag davor (Freitag) nicht unmittelbar vorangeht.

Für die Zeit der Freistellung ist die Ausbildungsvergütung fortzuzahlen (§ 19 BBiG).

Prüfungsausschuss

In der Prüfungskommission sind mindestens drei Personen, je eine Vertreterin oder ein Vertreter der Arbeitgeber-, der Arbeitnehmer- und der Berufsschulseite, tätig. Sie bewerten die Prüfungsleistungen gemeinsam.

Prüfungsinhalte und -anforderungen

Die Prüfungen erfolgen in unterschiedlichen Bereichen und werden in der Regel sowohl schriftlich (z. B. mit Fachaufgaben) als auch praktisch (z. B. mit Arbeitsaufgaben, durch Anfertigung eines Prüfungsstücks) durchgeführt. Oftmals wird ergänzend ein Prüfungsgespräch durchgeführt. Die Prüfungsanforderungen sind für jeden Beruf in der jeweiligen Ausbildungsverordnung festgelegt:

Gesellenbrief, Prüfungszeugnis

Sind die Prüfungsanforderungen erfüllt und ist die Prüfung bestanden, erhalten die Teilnehmer ein Prüfungszeugnis als formalen Nachweis ihrer Berufsqualifikation. Für das Zeugnis kann auch eine englische oder französische Übersetzung beantragt werden.

Verlängerung der Ausbildung bei Nichtbestehen der Prüfung

Besteht der Auszubildende die Gesellen- bzw. Abschlussprüfung nicht – wobei grundsätzlich unerheblich ist, warum die Prüfung nicht bestanden wurde – so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis auf sein Verlangen bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr (§ 14 Abs. 3 BBiG). Der Verlängerungszeitraum beträgt in der Regel ein halbes Jahr.

Eine Verlängerung tritt nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG Urteil vom 30.09.1998 – 5 AZR 58/98) auch dann ein, wenn der Prüfling krankheitsbedingt nicht an der Prüfung teilnehmen kann.

Hierfür genügt, dass der Auszubildende spätestens 3 Wochen nach Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses die Verlängerung vom Ausbildungsbetrieb verlangt. Eine Zustimmung des Betriebes ist nicht erforderlich, die Verlängerung wird ggf. auch gegen den Willen des Betriebes automatisch wirksam. Die Verlängerung ist der Handwerkskammer unverzüglich schriftlich mitzuteilen (Verlängerungsvertrag).

Der Auszubildende hat für den Verlängerungszeitraum Anspruch auf Ausbildungsvergütung in der zuletzt gewährten Höhe. Wird die erste Wiederholungsprüfung bestanden, endet das Ausbildungsverhältnis.

Besteht der Auszubildende die erste Wiederholungsprüfung nicht und stellt er (abermals) ein Verlängerungsverlangen, verlängert sich das Berufsausbildungsverhältnis bis zur zweiten Wiederholungsprüfung, wenn diese noch innerhalb der Höchstfrist von einem Jahr (§ 14 Abs. 3 letzter Satzteil BBiG) abgelegt wird. Die Beendigungswirkung tritt dann unabhängig davon ein, ob die zweite Wiederholungsprüfung bestanden oder nicht bestanden wird (BAG Urteil vom 15. März 2000 – 5 AZR 622/98).

Verzichtet der Auszubildende auf eine Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses, endet dieses mit dem vertraglich vereinbarten Ausbildungsende.

Wiederholung der Prüfung

Eine nicht bestandene Gesellenprüfung kann zweimal wiederholt werden. Es gelten dann die in der Wiederholungsprüfung erzielten Ergebnisse.

Hat der Prüfling bei nicht bestandener Prüfung in einer selbstständigen Prüfungsleistung mindestens ausreichende Leistungen erbracht, so ist diese auf Antrag des Prüflings nicht zu wiederholen, sofern der Prüfling sich innerhalb von zwei Jahren – gerechnet vom Tage der Feststellung des Ergebnisses der nicht bestandenen Prüfung an – zur Wiederholungsprüfung anmeldet. Die Bewertung einer selbstständigen Prüfungsleistung ist im Rahmen der Wiederholungsprüfung zu übernehmen.

Die Prüfung kann frühestens zum nächsten regulären Prüfungstermin wiederholt werden.

Für Wiederholungsprüfungen genügt die form- und fristgerechte Anmeldung zur Prüfung.

Einsicht in die Prüfungsunterlagen

Der Auszubildende (nicht der Ausbildungsbetrieb) hat das Recht, binnen einen Monats nach Zugang der Mitteilung über das Bestehen/Nichtbestehen der Prüfung seine Prüfungsunterlagen einzusehen (§ 31 GPO). Dieses muss er bei der Geschäftsstelle des Prüfungsausschusses beantragen.

Fragen und Antworten

Fragen zu Zwischen-, Abschluss- und Gesellenprüfungen beantwortet die Kreishandwerkerschaft. (Ansprechpartner siehe rechte Spalte oben).

Sabine Untiedt

Telefon: 04471 179-15
Telefax: 04471 179-44
Mail: s.untiedt@handwerk-cloppenburg.de