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Artikel vom 12.10.2017 | zurück zur Übersicht

Studie ordnet die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks neu ein

Ein so genannter B2-Beruf: Jedermann kann inzwischen einen Fliesen- Platten- und Mosaikleger-Betrieb gründen - nicht immer im volkswirtschaftlichen Interesse des Handwerks.
Ein so genannter B2-Beruf: Jedermann kann inzwischen einen Fliesen- Platten- und Mosaikleger-Betrieb gründen - nicht immer im volkswirtschaftlichen Interesse des Handwerks.

Das Handwerk gilt schon immer als eines der Schwergewichte innerhalb der deutschen Volkswirtschaft. Eine genaue Einordnung fällt bisher jedoch nicht leicht, weil sich die verfügbaren statistischen Daten für einen Vergleich mit der Gesamtwirtschaft als zu unterschiedlich erweisen. Wie das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) nun mitteilt, wurde dort in einer neuen Studie die Bedeutung des Handwerks innerhalb der Gesamtwirtschaft und seine Veränderung in den zurückliegenden Jahren genauer analysiert.

Darin zeigt sich, dass das Handwerk in den letzten Jahren an wichtigen Positionen verloren hat. Ein Beispiel dafür ist der Bereich der dualen Ausbildung. Auch wenn die Ausbildungsquote des Handwerks die der Gesamtwirtschaft noch klar übersteigt, zeigt sie doch eine deutlich abnehmende Tendenz. Das gleiche Bild vermittelt die Analyse der Meisterprüfungen. Immerhin findet noch weit mehr als die Hälfte der Meisterprüfungen im Handwerk statt. Viele neue Soloselbstständige und kleinere Unternehmenseinheiten vor allem in den zulassungsfreien Handwerken verstärken diesen Trend, der sich seit der Novelle der Handwerksordnung 2004 ausgeprägt hat. Der seither teilweise abgeschaffte Meistervorbehalt und die in zunehmendem Ausmaß fehlende Ausbildereignung wirkt sich inzwischen zählbar auf die Bildungsqualität des Handwerks aus.

Laut den Daten aus dem Unternehmensregister sind rund 16 Prozent aller Wirtschaftsunternehmen dem Handwerk zuzurechnen, und 13 Prozent der sozialversicherungspflichtigen (SV-)Beschäftigten sind im Handwerk tätig. In diesen Unternehmen wird knapp neun Prozent des Umsatzes erzielt. Bei Unternehmensgröße und Umsatz je Unternehmen entwickelte sich das Handwerk in den letzten Jahren positiv und ist besonders in der mittleren Größenklasse der Unternehmen mit zehn bis 49 SV-Beschäftigten stark vertreten.

Eine wichtige Position nimmt besonders das Handwerk innerhalb der Bauwirtschaft ein. Dort konnte es seine Marktstellung sogar ausbauen: Handwerksbetriebe sind in vielen Zweigen des Baugewerbes größer als Industrieunternehmen. Deutlich geringer als in der Gesamtwirtschaft fällt mit einer Differenz von 20 Prozent der Verdienst im Handwerk aus. Noch höher ist der Unterschied bei den Fachkräften, geringer bei An- und Ungelernten. Auch als Ausbildungsvergütung wird im Handwerk im Durchschnitt weniger gezahlt als in der Gesamtwirtschaft.

In ihrem Resümee stellt die Studie fest, dass das Handwerk in den letzten Jahren fast überall an Gewicht verloren hat. Bemerkenswert gestiegene Anteile verbuchen die Soloselbstständigen, Einzelunternehmen und Gründungen. Allerdings entstehen, ausgelöst durch die HwO-Novelle von 2004, immer häufiger kleinere Unternehmenseinheiten mit weniger Beschäftigten und Auszubildenden. Auch die rückläufige Bedeutung des Handwerks bei der Humankapitalbildung dürfte, so der Autor, maßgeblich auf diese Novellierung zurückzuführen sein. Indirekt habe die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks durch die HwO-Reform gelitten.

"Die politisch veränderten Rahmenbedingungen für das Handwerk haben zu einer Schwächung seiner Bedeutung insgesamt und zu einer übermäßigen Verschärfung des Wettbewerbsdrucks für die einzelnen Betriebe geführt. Dabei ist nach unserer Ansicht zum Teil auch in unserer Region das volkswirtschaftlich sinnvolle Maß überschritten worden. Rückläufige Zahlen in der Ausbildung im Lebensmittelhandwerk, die zunehmende Zahl an Betrieben ohne Meisterbrief im Friseurhandwerk und die steigende Anzahl von zulassungsfreien Betrieben in den Bau- und Ausbauhandwerk sind einige konkrete Belege hierfür" zieht Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ein regionales Fazit aus der Studie.

 
 
Hinweis :
Die Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) „Die Stellung des Handwerks innerhalb der Gesamtwirtschaft“, von Klaus Müller, erscheint als Band 99 in der Schriftenreihe „Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien“ 162 S., € 23,-, ISBN 978-3-86944-175-7, bei Mecke Druck und Verlag, Christian-Blank-Straße 3, 37115 Duderstadt, Tel.: 05527 / 98 19 22, E-Mail: verlag@meckedruck.de.
 
Bildquelle: www.amh-online.de