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Artikel vom 12.02.2018 | zurück zur Übersicht

Eine haarige Angelegenheit - Nachwuchsmangel im Friseurhandwerk eröffnet auch Chancen

Eine haarige Angelegenheit - Nachwuchsmangel im Friseurhandwerk eröffnet auch Chancen

Eine haarige Angelegenheit - Nachwuchsmangel im Friseurhandwerk eröffnet auch Chancen

Das Friseurhandwerk hat Nachwuchsprobleme. Viele Salons suchen händeringend ausgebildete Fachkräfte. Die Ausbildungszahlen sinken bundesweit seit Jahren, berichtet der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks. Deshalb steigen für junge Friseurinnen und Friseure, die talentiert und vor allem motiviert sind, jetzt die Karrierechancen.

VON SWANTJE SAGCOB (Nordwest-Zeitung vom 9.2.2018)

Der Beruf Friseur steht bei Schülerinnen und Schülern durchaus auf der Wunschliste. Das Thema Aussehen und Schönheit ist in den Generationen XYZ ein wichtiges Thema. Warum gibt es dennoch zu wenig Nachwuchs? Wir sind der Frage nachgegangen, ob sich das Bild der “dummen Frisöse” hartnäckig zu halten scheint oder welche Gründe diesen Fachkräftemangel verursachen und wie für Abhilfe gesorgt werden kann.

Mit negativem Klischee aufräumen

Unbestritten sind große Anstrengungen erforderlich, um die Ausbildungsplätze überhaupt zu besetzen, so der gemeinsame Tenor.

„In meinen 40 Jahren Berufstätigkeit habe ich an die 300 Friseure ausgebildet, jetzt konnte ich nicht einen einzigen Auszubildenden einstellen. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sorgt sich Hein-Gerd Rehse, Obermeister der Friseurinnung Wesermarsch über die bedrohliche Entwicklung.

Gerade auf dem Lande werde das Ausmaß jetzt deutlich sichtbar, so der Friseurmeister mit Betrieben in Brake, Berne und Elsfleth. Dabei ermöglicht der Experte seinen Auszubildenden nicht nur Seminare an der Oldenburger Meisterschule, sondern bezahlt auch übertariflich. Leider seien Weiterbildungen aber durch das Sonntagsverbot inzwischen eingeschränkt, kritisiert Rehse, der auf lokalen und regionalen Berufsmessen für den Nachwuchs weiter gezielt werben wird. Bislang hat er einen Großteil seiner Azubis selbst übernommen. Das zeige auch die guten Karrierechancen in einem soliden Beruf, hofft der Innungsobermeister auf viele neue Bewerber für alle Ausbildungsbetriebe.

Große Anstrengungen erforderlich

„Es gibt viel zu tun für alle Verantwortlichen, um mit den Vorurteilen aufzuräumen und das Image des Friseurberufes aufzupolieren“, weiß auch Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, um den Rückgang der Ausbildungszahlen.

Er verspricht sich einen Aufschwung von erhöhter Präsenz bei Berufsorientierung und Jobmessen, Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen, PR-Arbeit und klassischen Anzeigen.

„Es müssen lokal von den Salons und regional von den Innungen, aber auch auf Landes- und Bundesebene große Bemühungen unternommen werden“, weiß Hoffschroer um die schwierige Aufgabe.

Denn auch in den Medien halte sich vehement ein negatives Berufsbild gerade auch in Bezug auf die Vergütung. Unbestritten gehöre der Friseur nicht zu den Spitzenverdienern, aber im Vergleich zu anderen Berufen im (Einzel-)Handel und Handwerk sei sie besser als ihr Ruf.

Ausbildung mit Perspektiven

„Hingegen tauchen die vielen Chancen, die das Friseurhandwerk bietet, viel zu selten in der Berichterstattung auf“, kritisiert Hoffschroer.

Dabei biete der Beruf viele Aspekte, die gerade der jungen Generation wichtig seien: Kreativität und Stil, Umgang mit Menschen, Flexibilität und Familienfreundlichkeit, Sicherheit und Karrierechancen. Mit diesen Argumenten will die Innung bei ihren Imagekampagnen künftig punkten.

„Deshalb betonen wir bei unseren Beratungen auch immer wieder die verschiedenen Möglichkeiten, die sich einem Friseur bieten: unter anderem Arbeit im Theater, als Maskenbildner und Stylist oder auch ein Studium“, ergänzt die Cloppenburger Obermeisterin Irina Leinweber.

Den Nachwuchs fordern und fördern

Darüber hinaus sorgen moderne Ausbildungskonzepte für bessere Strukturen und auch für neue Anreize bei jungen Menschen, um alte Vorurteile aufzubrechen. Viele Betriebe hätten sich bereits auf den Weg gemacht, konstatiert Hoffschroer. Mit der Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, Patenschaften und Netzwerktreffen in Unternehmen, Sonderansprache von Flüchtlingen, Berufsorientierungsmaßnahmen, Übungsabende für Auszubildende sowie einzelbetriebliche und innnungsübergreifende Maßnahmen lässt sich der Blick auf die Chancen und Perspektiven richten. Mit der Meisterschule und dem Fortbildungszentrum in Oldenburg hat das Friseurhandwerk in der Region zudem einiges zu bieten und ist gut aufgestellt.

Auch die Selbstständigkeit stellt eine Perspektive im Friseurhandwerk dar, für die in der Regel der Meisterbrief erforderlich ist, aber auch Ausnahmeregelungen greifen. Obwohl die Zahl der Fachkräfte sinkt, steigt die Anzahl der Kleinstbetriebe seit Jahren, die nach außen eher das Bild einer Sättigung des Marktes vermittelt. Aber Nachwuchs wird dennoch händeringend gesucht.

Neue Leidenschaft für Kreativität

Für die Zukunft der Friseurbranche, das Berufsbild Friseur und für motivierten sowie qualifizierten Nachwuchs müssen Verbände, Unternehmen und natürlich die Friseursalons alle zusammenarbeiten. Ein Schlüssel zur Lösung des gesamten Problems ist vor allem Qualität. Wer das Beste bietet, kann auch das Beste verlangen. So wird wieder echte Leidenschaft für den Friseurberuf und die Friseurausbildung entfacht. Das kommt auch bei Kunden und Öffentlichkeit an und wird hoffentlich eine positive Welle

Da es eine hohe Abbrecherquote in der Ausbildung gibt, sollten Berufsinteressenten keinen falschen Vorstellungen aufsitzen und ein Praktikum in einem Salon als Berufsorientierung nutzen. Auch ist ein objektives Berufsverständnis frei von Vorurteilen im Elternhaus und in den Schulen wünschenswert.

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Auszug aus der Nordwest-Zeitung vom 9.2.2018
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